Philosophische Schnipsel

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Notizen, Essays & Reflexionen zu Kultur, Medien, Literatur und Gegenwartsphilosophie

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Archiv Lyrik

Outdoor-Philosophie am Schwedenfeuer

So langsam wird’s Zeit, beim Waldbauern ihres Vertrauens die Stämme zurecht schneiden zu lassen für die bevorstehende Saison der Outdoor-Philosophie. Denn nicht jeder Denker verfügt selber über die praktischen Fertigkeiten beim Umgang mit der Kettensäge, um die Luftansaugstutzen für eine funktionierende Schwedenfackel verletzungsfrei und einigermaßen gerade ins Holz zu schlitzen.
Offene Lagerfeuer bedürfen heutzutage ja einer […]

Kleiner Kragenplatzer hinsichtlich der Akademisierung der Poesie

Ein verärgerter Essay über die selbstgefälligen und sich-selbst-bedienenden ‘Elitefraktionen’ in der deutschen Lyriklandschaft - von Michael Zoch
In der zeitgenössichen deutschen Lyrik sind zwei Hauptströmungen auszumachen, die sich, gelinde augedrückt, unvereinbar gegenüberstehen. Auf der einen Seite Social Beat im weiteren Sinne in der Nachfolge und Tradition von Bukowski, weitestgehend Epigonentum, von einigen wenigen löblichen Ausnahmen abgesehen, […]

Gegenwartslyrik in allen Facetten

In der Anthologie “Der gelbe Akrobat” präsentieren Michael Braun und Michael Buselmeier 100 Gedichte
mit poetologisch reflektierten Kommentaren

So schlecht kann heutzutage die Zeit für Gedichte in der öffentlichen Wahrnehmung gar nicht sein, wenn sogar Bundespräsident Horst Köhler anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von „lyrikline.org“, dem Internetprojekt für Gedicht-Originalrezitationen, im Oktober 2009 medienwirksam die Bedeutung der Poesie […]

Wer verlegt denn heut noch Gedichte?

Die Suche nach interessanter Lyrik gehört heutzutage zu den Kontingenzerfahrungen des real existierenden Poesiefreundes, denn wenn er „Gedichte“ mit der Option „Seiten auf Deutsch“ googelt, spuckt der digital umhergeisternde Suchroboter über fünf Millionen Treffer aus – doppelt so viele wie etwa unter „Lotto“.
Besorgten noch in der Guten-Alten-Zeit der Deutungsmonopole die Türsteher des feinen Feuilletons oder […]

Herbstlese - Kurzrezensionen Teil II (Lyrik)

Nun also nach den fünf Prosa-Kurzrezis “Sommerlektüre” ein paar Takte zu sechs ausgewählten Lyrikbänden, die miteinander verbindet, dass sie sich mit gesellschaftlichen Stimmungen und individuellen ‘Geworfenheiten’ um die Jahrtausendwende beschäftigen. Da man gute Lyrik ja immer wieder und wieder lesen kann, um all ihre ‘verdichteten’ Feinheiten und Facetten zu entdecken, dürfte das schon mal den […]

Überdosis Eleganz

“Hôtel des Étrangers” - neue Gedichte von Joachim Sartorius
Viele gute Gedichte zu kennen, solche sogar mit editorischem Enthusiasmus und literarischer Kompetenz ans Licht der Öffentlichkeit zu heben, kann für einen Lyriker mitunter auch hilfreich sein, um selber Brauchbares zustande zu bringen. Immerhin hat sich Joachim Sartorius schon als Herausgeber der deutschen Werkausgaben von Malcolm Lowry […]

Die Wortmagierin des Dennoch

Zum 100. Geburtstag von Hilde Domin
“Ein Gedicht ist ein gefrorener Augenblick, den jeder Leser für sich wieder ins Fließen, ins Hier und Jetzt bringt.”
Derart pointiert verteidigte die 2006 verstorbene Lyrikerin Hilde Domin schon 1968 in dem Essay “Wozu Lyrik?” die Poesie gegen ihre Widerredner. Und hielt sich selbst bis zu ihrem Abschiedsband “Der Baum blüht […]

Buchmessen-Nachlese

 ”Beim Besuch einer Buchmesse ergriff mich eine sonderbare Beklemmung”, schrieb Adorno 1963. “Als ich suchte zu verstehen, was sie mir anmelden wollte, ward ich dessen inne, dass die Bücher nicht mehr aussehen wie Bücher.”
Wenn also schon die Bücher von 1963 nicht mehr wie Bücher aussahen, weil sie “anfangen,  dramatisch Reklame für sich selbst zu machen”, […]

Stammtischphilosoph

Die Leichtfertigkeit
seiner Worte
wuchert
beifallserheischend
aus der Beschwerlichkeit
seines Denkens
wf

Ein Anarchist der Liebe

Obwohl ich nicht weit von der Brecht-Stadt Augsburg lebe, die mit dem “abc Festival” unter Albert Ostermaiers Leitung alljährlich ihren zu Lebzeiten verfemten Sohn als kulturelles Aushängeschild feiert, hatte ich Bertolt Brecht nach ‘erzwungener’ Studienbeschäftigung ad acta gelegt. Ich hielt (und halte) zwar sein radikales Aufklärungstheater und seine polit-agitatorische Schreibe für wichtig und wirkmächtig, […]

Kontrapunktierte philosophische Melodie-Dialektik und zirkuläre bitonale Harmonik im Jazz

Sommernachmittag, leicht angetrunken ;-)

• Johannes Enders - Saxophon
• Achim “Wotan” Juhl - Bass
• Werner Friebel - Gitarre, ©

Sommernachmittag, leicht angetrunken
Der Nachmittag wiegt sich
lasziv lässig lächelnd
an mir vorüber / flimmert
nonchalant den Brudergruß,
zieht sich ein paar Wölkchen
durchs Hirn … träumt …
vielleicht von
women on the rocks
und brennt mir seine Geilheit
unter die heiße Haut
wf

fette zeiten

konsumartikel vergnügen
hurt mit der bürgerlangeweile
lude mammon lacht sich eins
ins fetischlein:
gefressen wird,
was konten schmiert - gewohnheit
kühlt das letzte kleine mütchen
ungelebter ausbruchsträume…
in satter stimmviehglotzigkeit
verfaulen phantasie & geist
& die moral wird breit und feist
im wiederkäuen der zufriedenheit
 
wf
(aus “Balanceakt”)

Texterl zum Tage:


Von den momentan realisierbaren Gesellschaftsformen ist die Demokratie das geringste aller Übel.


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