Philosophische Schnipsel

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Gute Lehrer müssen scheitern

In unserer neiderfüllten Ellbogengesellschaft ist es ziemlich gefährlich, wenn sich ein kluger Kopf  aus dem Mittelmaß herauswagt. Das musste eben erst wieder eine engagierte Grundschullehrerin erfahren, deren Schüler offenbar aufgrund ihrer guten pädagogischen Fähigkeiten regelmäßig überdurchschnittlich gute Notenschnitte erzielt hatten.
Weil das ja nicht sein darf, weils erstens der Statistik nicht entspricht und zweitens überdurchschnittliches Engagement für die Durchschnittlichkeit anderer Pädagogen entlarvend ist, bekam die Lehrerin Probleme von Kollegenmobbing bis zu Entlassungsandrohungen.
Inzwischen  fühlt sie sich genötigt, an dem System der Versagerproduktion mitzuwirken und deshalb Schulaufgaben so zu konstruieren, dass mit Sicherheit ausreichend Vierer, Fünfer und Sechser herauskommen, damit vor dem Komma des Klassenschnitts endlich auch mal eine Drei steht und sie von der Rektorin nicht behandelt wird wie eine aufmüpfige Bildungswelt-Verbesserin.
Ist dann ja auch wieder eine Art Chancengleichheit.

siehe Artikel in der SZ-Reihe “Schule spezial”

wf

3 Responses to “Gute Lehrer müssen scheitern”

  1. 1
    Markus:

    Die von Angela Merkel ausgerufene “Bildungsrepublik Deutschland” wird also noch auf sich warten lassen - bis zur Privatisierung des öffentlichen Bildungswesens. In der “Bildungsrepublik Bertelsmann” wird alles besser…

  2. 2
    Werner:

    Nachtrag:

    Wie die Süddeutsche Zeitung am 11.8. berichtete, wurde die Lehrerin Sabine Czerny nun doch “wegen Störung des Schulfriedens” von ihrer Germeringer Grundschule strafwegversetzt.
    Tröstende Worte für die engagierte Pädagogin fand allerdings der sich für sie einsetzende Chef des Bayerischen Lehrerverbands, Klaus Wenzel: sie habe “einen sehr anspruchsvollen Lernbegriff” und sei “ihrer Zeit in Bayern weit voraus”.
    Na, wenn das mal nicht doch ein wenig für die Zukunft hoffen lässt…

  3. 3
    Ida:

    Dies lässt sehr hoffen, jeden der aus der Reihe tanzt.

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Von den momentan realisierbaren Gesellschaftsformen ist die Demokratie das geringste aller Übel.


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